DIE GESCHICHTE DER HEISSEN THERMALQUELLEN


Von den Römern geschätzt…

Die Ursprünge des heutigen Thermalbads in Brigerbad gehen weit zurück: Bereits die Römer wussten um die warmen Mineral-Heilquellen, denn sie waren an das milde Klima des Südens gewöhnt und schätzten das warm sprudelnde Wasser. Im 15. Jahrhundert wurden die Quellen jedoch von einem Bergsturz oder grösseren Wassermassen verschüttet, sodass der Austrittsort der Quellen vergessen ging. Die heilende Wirkung des Wassers blieb den Leuten jedoch in Erinnerung, wie es auch der Gelehrte Johannes Stumpf im Jahr 1544 festhielt: „es heilt äusserliche Schäden, Räude und Blattern, den Nasenfluss, das Zittern der Glieder, die tauben Ohren, den Krampfen und dienet wohl auch den unbärhaftigen Weybern…“.

eine wechselhafte Geschichte erlebt…

Nachdem die Quellen wieder ausfindig gemacht wurden, erwarb Peter Owlig anfangs des 16. Jahrhunderts die Badeanlage und nahm bedeutende Erweiterungen vor, neue Badehütten kamen hinzu, das Gasthaus wurde vergrössert und die Gartenanlage mit Spazierwegen und Reben neu gestaltet. Nach dessen Tod wurde das Bad von seinen Kindern weitergeführt und erlebte in den folgenden Jahrzehnten eine eigentliche Blütezeit. Peter Owligs Enkelin Margaretha heiratete später Crispin Stockalper und wurde zur Grossmutter des berühmten Kaspar Jodok von Stockalper. Aus den Aufzeichnungen in Stockalpers Handelsbüchern geht hervor, dass die Rechte am Brunnen des Bads im Jahr 1642 in seinen Besitz übergingen. Zu diesem Zeitpunkt war der vormalige Glanz der Badeanlage aber längst erloschen. Stolleneinbrüche und Überschwemmungen der Rhone hatten die Thermalquellen verschüttet und die Badehütten mit Schlamm gefüllt. Eine Persönlichkeit wie Stockalper liess sich davon aber nicht entmutigen und beauftragte seine Leute nach den Badeanlagen zu graben. Nach der Ära der hochadeligen Familie von Stockalper gelangten die Thermalquellen in den Besitz von anderen Familien. Bereits zu Zeiten der Familie Stockalper war es jedoch zur Tradition geworden, die Liegenschaft jeweils an die älteste Tochter zu vererben.

erneuert und vergrössert…

Anfangs der dreissiger Jahre des letzten Jahrhunderts kam die Anlage schliesslich in den Besitz von Viktor und Erika Lauwiner-Gemsch. Zu diesem Zeitpunkt waren die Thermalquellen fast nur noch unter den Einheimischen bekannt und wurden von diesen genutzt, indem sie sich von der Besitzerfamilie den Schlüssel besorgten und im sogenannten Badloch – einem sechzehn Schritte langen Stollen im Berg, der als Becken diente – badeten. Das Besitzerpaar Lauwiner-Gemsch verlegte das Baden im Stollen ins Freie und eröffnete zwei Schwimmbäder von je 25 Quadratmeter Grösse – der damaligen Zeit entsprechend noch getrennt für Frauen und Männer. Auf einer zusätzlichen Rasenfläche kamen zwei Einzelbäder und ein Familienbad hinzu. Zwischenzeitlich hatte auch der Strom in Brigerbad Einzug gehalten, sodass eine elektrische Pumpe das warme Wasser des Stollens in die Schwimmbecken transportieren konnte.

und zu neuem Glanz gebracht…

1956 kauften Hans Kalbermatten und Albert Jost die Thermalquellen mit einigem Umschwung vom Ehepaar Lauwiner-Gemsch. Bald darauf übernahm Hans Kalbermatten zusammen mit seiner Frau Cécile den Anteil des anderen Teilhabers. Danach legte das Ehepaar den Grundstein für die aussergewöhnliche Entwicklung „ihres“ Thermalbads. Bereits 1957 wurden die Anlagen komplett saniert und im darauffolgenden Jahr trieb man einen 30 Meter langen Stollen in den Berg, um die Quellen direkt bei ihrem Hervorsprudeln zu fassen. 1959 besuchten verschiedene Experten Brigerbad, um das Wasser der heissen Quellen gründlich zu analysieren. Die Ergebnisse waren so ermutigend, das nur kurze Zeit später der Bau des Hallenbads und des berühmten Grottenschwimmbads in Angriff genommen wurden. Beim Aushub für die Grotte stiessen die Arbeiter plötzlich auf eine lange Mauer, hinter der sich ein riesiger Fels auftürmte. Die alte Mauer stellte vermutlich die Nordwand einer alten Badeanlage dar. Ergänzend kamen noch eine Liegehalle und zwei grosse Freiluftbäder – das heutige Kurbad und Sportbad – hinzu. Im Sommer 1980 konnte schliesslich das Flussbad als langersehnte Neuheit eröffnet werden. Mitten darin prangt auch heute noch eine Insel mit einem Springbrunnen, dessen kräftiger Wasserstrahl weitum sichtbar ist. Im Umfeld der Bäder wurden grosszügige Einrichtungen mit Restaurant, Campingplatz und Sportanlagen geschaffen. Besonderen Gefallen fand auch die gepflegt Umgebung mit den Ziergärten, Rasenflächen und den Sonnenterrassen auf dem steil ansteigenden Berg. Eine weitere Etappe wurde 1995 eingeläutet, als mit einer mächtigen Baugrube der Bau des Olympiabeckens mit der vorgeschriebenen 50-Meter-Länge begonnen wurde. Ein Jahr später, im Juli 1996, folgte schliesslich mit der alpinen, 182 Meter langen Wasserrutsche eine weitere Attraktion, insbesondere für die jungen Badegäste.

2004 verstarb Hans Kalbermatten und konnte den bisher letzten grossen Meilenstein in der Geschichte zum New Brigerbad, das nach fast zweijähriger Bauzeit im Dezember 2014 eröffnet wurde, leider nicht mehr miterleben. Seine Frau Cécile, die 2008 ihre Aktien der Stiftung Cécile & Hans Kalbermatten-Volken vermachte, verfolgte täglich den Betrieb in ihrem Brigerbad. Ihr zu Ehren wurde das Restaurant auf den Namen „Cécile“ getauft. Im Jahre 2016 verstarb nun auch Cécile Kalbermatten.